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20. Dez. 2018 ... Immer mehr Angriffe auf Polizisten und Rettungskräfte

Drei Männer behindern nach einem tödlichen Unfall die Arbeit der Rettungskräfte. Es kommt zu Handgreiflichkeiten. Symbolbild.

Drei Männer behindern nach einem tödlichen Unfall die Arbeit der Rettungskräfte. Es kommt zu Handgreiflichkeiten. Symbolbild. Quelle: dpa

 

Hannover. Immer mehr Polizisten, Feuerwehrleute und Sanitäter werden in Bremen und Niedersachsen bei Einsätzen angegriffen. Das geht aus Zahlen hervor, die das niedersächsische Innenministerium und der Innensenator Bremen mitteilten. Demnach stiegen die Attacken auf Rettungskräfte in Niedersachsen zwischen 2016 und 2017 um gut ein Viertel auf 215 Fälle pro Jahr. Zum Vergleich: Fünf Jahre zuvor hatte es landesweit 94 Anzeigen gegeben.

Immer mehr Angriffe auf Polizisten

Die Behörden registrierten 2017 zudem 3179 Anzeigen wegen Angriffen auf Polizisten, 122 Fälle mehr als im Jahr zuvor. Weit mehr als jeder dritte Fall war eine Körperverletzung. Das Innenministerium nannte auch extreme Fälle, in denen zum Beispiel Menschen gezielt mit einem Fahrzeug auf Polizisten zufuhren, so dass diese sich nur noch mit einem Sprung zur Seite retten konnten. Aktuellere Zahlen liegen für Niedersachsen nicht vor, doch liegen die Angriffe auf Polizisten nach einer Einschätzung der Gewerkschaft der Polizei (GdP) auch 2018 weiter auf hohem Niveau. Kollegen hätten angegeben, dass die Angriffe gefühlt weiter zugenommen hätten. Zum Beispiel würden Beamte bei Verkehrskontrollen oder Identitätsfeststellungen häufiger beleidigt und provoziert, sagte eine GdP-Sprecherin.

DRK: Qualität der Attacken ist eine andere geworden

In der Stadt Bremen kam es 2017 zu 781 körperlichen oder verbalen Angriffen auf Feuerwehrleute, Polizisten und Sanitäter, wie der Bremer Innensenator mitteilte. Im Vorjahr zählten die Behörden noch 92 Fälle weniger. In Bremerhaven waren es im vergangenen Jahr 152 Fälle. Auch hier waren es 2016 noch 13 Anzeigen weniger.

„Ich habe festgestellt, dass die Qualität eine andere geworden ist“, sagte Daniel Schulte. Er ist im Landesverband Niedersachsen des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) für den Rettungsdienst zuständig und selbst mehrmals pro Woche als Notfallsanitäter unterwegs. Den Auszubildenden rät der 35-Jährige, im Einsatz vorsichtig zu sein.

Jugendliche zeigen immer weniger Respekt

Der gegenseitige Respekt und die Schwelle, jemanden anzugreifen, hätten im Laufe der Jahre abgenommen, vor allem bei Jugendlichen, so Schulte: „Schnell fallen Beleidigungen.“ Beim Betreten eines Hauses seien ihm und seinen Kollegen bereits Flaschen entgegen geflogen. Er hinterfrage eingehende Notrufe nun immer kritisch. Er wolle wissen, auf was er sich vor Ort einstellen muss. In extremen Fällen warteten er und seine Kollegen auf das Eintreffen der Polizei.

Auch im Land Bremen wurden Polizisten verletzt. In Bremerhaven gab es 2017 allein 21 Beamte, die wegen Prellungen, Verstauchungen, Schürfwunden, Hämatomen oder Bänderdehnungen zusammen 53 Tage krank geschrieben wurden. „Angriffe gibt es tatsächlich tagtäglich“, sagte der Sprecher der Bremer Feuerwehr, Andreas Desczka. Das reiche von Beschimpfungen bis hin zu einer Schusswaffe an den Kopf halten. Solche Situationen, in denen Feuerwehrleute an ihrer Arbeit gehindert werden, seien „extrem unangenehm, weil wir ja helfen wollen.“

Rettungskräfte mit Messern bedroht

Beispiele für Angriffe gibt es genug: An einem Rettungswagen musste ein Polizist eine 18-Jährige mit einem Pfefferspray abwehren, als diese mit einem Küchenmesser in der Hand schreiend auf ihn stürzte. Im März 2017 versuchte ein betrunkener Mann in Hannover mehrmals, zwei Sanitäter zu schlagen und drohte sogar, er werde sie mit einer Pistole erschießen. Die Johanniter sehen die aktuelle Lage dennoch nicht dramatisch. „Es gibt immer mal wieder Ausreißer, aber das war schon immer so“, sagt Thorsten Ernst, der beim Johanniter-Landesverband Niedersachsen und Bremen für den Bereich Rettungsdienst zuständig ist.

DRK verzichtet auf Pfefferspray

DRK-Mitarbeiter seien in der Regel nicht mit Pfefferspray und Schutzweste im Einsatz, erklärt Schulte. „Ich möchte nicht, dass unsere Rettungskräfte mit Pfefferspray unterwegs sind“, betont auch Ernst. Diese Ausstattung könnte von Menschen als Provokation empfunden werden und laufe dem Bild des Helfers zuwider. Auch in Bremen will der Senat die Rettungskräfte nicht mit Schutzwesten ausstatten

Höhere Strafen für Angreifer

Seit Juni 2017 gelten bundesweit höhere Strafen für Angriffe auf Helfer. Paragraf 114 sieht für tätliche Angriffe auf Rettungskräfte, Feuerwehrleute oder Polizisten ein Strafmaß von drei Monaten bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe vor. Vorher war eine Geldstrafe üblich.

Aus Sicht von Feuerwehrsprecher Desczka haben die höheren Strafen „gefühlt nichts geändert“. Es sei schwierig, einen Nachweis zu erbringen und Strafen zu verhängen. Auch Schulte vom DRK sagt, viele Strafverfahren verliefen oft im Sand. Trotz der Widrigkeiten kennt Desczka jedoch keinen Kollegen, der seinen Beruf deshalb aufgeben will: „Das Retterherz ist noch dabei.“

Von RND/dpa

 


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